Vertragsverhandlungen sind ja meistens eher so meh… Machen nicht richtig Spaß, manchmal hat man schon bald gar keine Lust mehr auf das ganze Projekt. Aber es kann auch anders gehen, ich erlebe es immer wieder. Deswegen möchte ich alle Kollegen dazu aufrufen, mutig zu sein, nicht alles einfach zu unterschreiben. Sprecht Dinge an, die ihr nicht versteht, die unklar formuliert sind, die euch nicht gefallen und macht Änderungsvorschläge.

 

 

Bereitet euch gut vor

Ich arbeite einen mir vorgelegten Vertrag für mich immer nach dem Ampelprinzip durch. Passagen die grün markiert werden wären ok, könnten für mich aber optimiert werden. Passagen oder Formulierungen in orange möchte ich sehr gerne ändern lassen und rot sind die Dinge, die in jedem Fall gestrichen/geändert werden sollen. Dann kann ich gut vorbereitet ins Gespräch gehen. Ich weiß, was ich da vor mir habe, habe mich informiert, alles entsprechend markiert und kann der Lektorin gezielt meine Fragen und Wünsche mitteilen. Und meistens geht doch noch einiges zu verändern.

 
Oft kann man auch Kompromisse machen. Die eine Passage wird gestrichen, dafür verzichte ich auf eine Streichung an anderer Stelle, die dem Verlag wichtig war. Schaut immer, was für euch noch vertretbar ist und wo es kritisch wird. Ich habe z.B. schmerzlich lernen müssen, dass ich nie (!) mehr im Vertrag stehen haben will, dass das Honorar (oder auch nur ein Teil davon) erst bei Erscheinen des Buches gezahlt wird. Macht das nicht, auch wenn man denkt, das Buch wird doch wohl in jedem Fall erscheinen. Es gibt immer wieder die seltsamsten Entscheidungen und dann steht ihr blöd da.

 

 

Seid mutig!
Das sind Lernerfahrungen, die dann in alle weiteren Vertragsverhandlungen mit einfließen. Und immer wieder merke ich, dass an den Verträgen doch einiges zu machen ist, wenn man sich darum bemüht. Tut man das natürlich nicht, wird alles so gelassen, wie der Verlag es haben möchte. Und natürlich ist klar, dass derjenige, der den Vertrag aufsetzt, ihn nach seinen Idealvorstellungen gestaltet. In der Buchbranche ist das zumeist der jeweilige Verlag und die haben gleich eine ganze Rechtsabteilung im Rücken. Also muss der andere Part, in unserem Fall der Illustrator, zusehen, wie er in diese Vorstellungen rein passt und was man für ihn noch anpassen muss. Kümmert euch um eure Wünsche und Rechte, sonst tut es keiner!
 
Traut euch, fragt, meldet euch zu Wort, bleibt dabei natürlich immer freundlich, erklärt aber auch, warum euch etwas im Vertrag Bauchschmerzen bereitet und zieht im Notfall, wenn etwas wirklich gar nicht geht, die Reißleine. Zum Beispiel eine Aussage wie „unsere Verträge sind nicht verhandelbar“ sollte zum sofortigen Projektabbruch führen. So gestaltet sich keine gute Zusammenarbeit und diese Art der Kunden braucht niemand.

 

Das liebe Geld

Ich habe sogar schon erfahren, dass Verlage Aussagen wie diese getroffen haben: „Wenn der Illustrator alles einfach so ungefragt unterschreibt, gibt es natürlich keinen Grund für uns, etwas zu ändern. Es wäre aber durchaus noch Luft nach oben gewesen.“ Fordert also mehr Geld, bessere Konditionen, andere Zahlungsabstände oder Beteiligungen. Es tut sonst keiner für uns, wenn wir uns nicht melden und den Mund aufmachen. Und oft, wirklich oft ist zumindest noch etwas Luft nach oben. Versucht es also zumindest.

 

Ich wünsche euch allen viel Erfolg bei der nächsten Vertragsverhandlung!

 

Wenn ihr den gesamten Ablauf eines Auftrages inklusive einer Vertragsverhandlung kennen lernen wollt, dann haben wir für euch ein tolles Angebot. Unsere Auftragsabwicklung bietet genau das an und ihr könnt sozusagen einmal üben, bevor es an den realen Kunden geht.

 

Alle Rechte liegen bei den Illustratoren Meike Teichmann und Sven Geske. Das unerlaubte Verwenden der Bilder oder Texte ist nicht gestattet.